Kerndämmung

Kerndämmung von Außenwänden

Häuser mit zweischaligem Mauerwerk gibt es in Hessen weniger als in Norddeutschland, aber es gibt sie! Beim zweischaligen Mauerwerk befindet sich zwischen einer inneren Mauerwerksschale (12 bis 25 cm) und einer äußeren Schale (6 bis 12 cm) eine Luftschicht (6 bis 7,5 cm). Diese kann nachträglich mit Dämmstoff verfüllt werden. Hierzu werden von außen Löcher in die Wetterschale gebohrt und Dämmstoffe eingeblasen. In den meisten Fällen wird das Material mittels Kleinlochverfahren eingebracht; d. h., es werden 18 bis 24 mm große Löcher in die Wand gebohrt. Bei Sichtmauerwerk werden die Löcher an die Kreuzungsstellen der Fugen gesetzt oder man nimmt einzelne Steine heraus.

Bei kleineren Gebäuden braucht es oftmals nur eine Leiter und kein Gerüst, um den Giebel zu erreichen. Das spart Kosten.

Die Dämmstoffe müssen wasserabweisend (hydrophobiert) sein. Für eine Kerndämmung stehen Steinwolleflocken, Perlitegranulat, Glasgranulat und Silikatschaum zur Verfügung. Die Dämmung des „Luft-Kerns“ ist besonders für nach 1960 errichtete Gebäude empfehlenswert. Erst ab diesem Zeitpunkt ist die Luftschicht durchgehend. Nur dünne Edelstahldrahtanker verbinden äußere und innere Mauerwerksschale. Ein typischer Gebäudetyp hierfür ist der Winkelbungalow mit Verblendschalung. Bei älteren Gebäuden aus der Weimarer Zeit oder der unmittelbaren Nachkriegszeit, befindet sich die Luftschicht auf nur 60 Prozent der Außenwandfläche und eine Kerndämmung ist weniger lohnend.

Da die Luftschicht nur 6 bis 7,5 Zentimeter stark ist, ist dies auch die mögliche Dämmschichtdicke. Die Anforderungen der Energieeinsparverordnung werden hiermit trotzdem eingehalten, hier ist eine Ausnahmeregelung in der EnEV enthalten. Die Energieeinsparung beträgt für ein Einfamilienhaus zwischen 10 und 15 Prozent, da die Dämmschichtdicke begrenzt ist. Bei steigenden Energiepreisen kann eine Kerndämmung durch eine Außen- oder Innendämmung ergänzt werden.

Die Baukosten für das Einblasen des Dämm-Materials liegen bei 20 bis 25 Euro pro Quadratmeter und sind in der Regel in ein bis zwei Tagen abgeschlossen. Bei solch geringen Kosten gibt es durch die Heizkosteneinsparung geradezu eine „Geld-zurück-Garantie“.

Die Wetterschale leidet nicht unter einer Kerndämmung. Untersuchungen zeigten, dass sie im Jahresdurchschnitt sogar trockener wurde. Die Ursachen:

Es wird keine Feuchtigkeit mehr durch die Belüftung von außen in die Luftschicht eingetragen. Und der von innen nach außen diffundierende Wasserdampf wurde in der Luftschicht durch Luftströmungen an die kalte Außenschale getragen und feuchtete diese auf; die Kerndämmung unterbricht diesen ungewollten Prozess. Eine große Untersuchung in Holland bewies schon in den 80er Jahren, dass flockige Dämmstoffe und Schäume sich im Laufe der Jahre auch nicht „setzen“.

Im Sommer gibt es bei ungedämmtem zweischaligen Mauerwerk oftmals Feuchte- und Stockflecken in kühlen und schlecht belüftbaren Räumen (Speisekammer etc.). Hier schlägt die hohe Außenluftfeuchte durch. Auch damit macht eine Kerndämmung Schluss.

Ausführende Betriebe in Hessen sind nicht sehr häufig vorzufinden, es empfiehlt sich eine Suche im Internet unter dem Stichwort „Kerndämmung“.

Erfahrungen zu Kerndämmungen sind in dem Bericht Nachträgliche Dämmung ohne Risiko aus dem Jahr 2000 nachzulesen.