Außenwanddämmung (von außen)


Mehr als 85 Prozent der über 1,1 Millionen Wohngebäude in Hessen weisen einen unzureichenden, weit hinter den heutigen technischen Möglichkeiten zurückbleibenden Wärmeschutz der Außenwände auf. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Möglichkeiten vor, wie Sie den Wärmeschutz Ihrer Außenwand  mit einer zusätzlichen Dämmschicht, die von außen angebracht wird, verbessern können. Die Wärmeverluste durch die Wand können um 80 bis 90 Prozent reduziert werden.

 

Zur besseren Einschätzung
Im Folgenden finden Sie zur besseren Einschätzung Ihrer Außenwand einige typische Wandkonstruktionen und die entsprechenden U-Werte als Orientierungswerte. Gute Werte liegen heute bei 0,2-0,3 W/(m²K). Sie können auch nachträglich noch erreicht werden. Die U-Werte beschreiben das Maß des Wärmedurchgangs. Je kleiner der Wert, desto weniger Wärme geht durch das Bauteil verloren.

 typische Wandkostruktionen

Baujahr

Wert
 [W/(m²K)]
Fachwerkwand, mit Lehmschlag, innen vollflächig verputzt vor 1918 1,9

Vollziegelmauerwerk (38-51 cm)

vor 1948 1,2-1,55
Mauerwerk aus Bimsvollsteine (ca. 25 cm) 1949-1957 1,3
Mauerwerk aus Bimshohlblocksteinen 1949-1968 0,9-1,2
Mauerwerk aus Hochloch- oder Langlochziegeln 1919-1978 1,2-1,45
Kalksandsteinmauerwerk 1969-1978 1,3
Holzständerwand (Fertighauswand) 1969-1978 0,4-0,6
Hochlochziegelmauerwerk 1979-1983 0,8
Porenbetonsteine (24-30 cm) 1979-1983 0,7
Leichthochlochziegelmauerwerk 1984-1994 0,7
Porenbetonsteine 1984-1994 0,6
Mauerwerk aus Kalksandsteinen plus Wärmedämmverbundsystem heute 0,2-0,3
Mauerwerk aus Leichthochlochziegelsteinen (36,5 cm) heute 0,2-0,3

Wände aus den 1950er und 1960er Jahren haben im Originalzustand einen U-Wert von 1,2 W/(m²K) und mehr. Im Vergleich mit modernen Wänden verlieren sie vier- bis sechsmal mehr an Heizenergie.

Wenn Ihr Haus heute 20 Jahre alt  ist, können Sie die Wärmeverluste durch zusätzliche Dämmung um 80 bis 90 Prozent reduzieren. Ist Ihr Haus wesentlich älter als 20 Jahre, ist eine Modernisierung dringend zu empfehlen.

Die Dämmung bringt immer auch weitere Nutzen: Die Wände kühlen nicht mehr so aus, und es wird dadurch behaglicher im Haus. Die Schimmelgefahr geht zurück, weil auf den warmen Wandinnenoberflächen kein Tauwasser mehr entsteht. Und Schimmel braucht Feuchtigkeit zum Wachstum.

Wenn Sie Ihre Wand von außen dämmen möchten, können Sie das auf zwei unterschiedliche Weisen tun.

 

1. Außenwanddämmung mit dem Wämedämmverbundsystem (WDVS)
Das Wärmedämmverbundsystem eignet sich sowohl für den Neubau als auch für die nachträgliche Wärmedämmung von Gebäuden. Es ist ein preisgünstiges Außenwanddämmsystem. Es besteht aus Dämmstoffplatten, die direkt auf das Mauerwerk (Neubau) oder den vorhandenen Außenputz (Altbau) aufgeklebt und je nach Untergrund auch gedübelt werden. Auf die Dämmschicht wird in den Armierungsmörtel ein Armierungsgewebe eingebettet, das Dehnungsspannungen aufnimmt und die Grundlage für die Außenbeschichtung bietet. Sie kann aus Kunststoffputz, Kalkzementputz oder bei stärkeren Beanspruchungen auch aus Flachverblendern o. ä. bestehen.

Das Wärmedämmverbundsystem besteht aus aufeinander abgestimmten Materialien des jeweiligen Anbieters. Eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung ist nicht erforderlich, wenn genormte Baustoffe verwendet werden. Eine sorgfältige Ausführung ist unerlässlich und kann nur vom Fachbetrieb (Maler, Putzer, Baufirmen) vorgenommen werden. Zum Selbstbau ist nicht zu raten.

Die Mehrzahl des Gebäudebestands kann durch die Dämmung mit einem WDVS wärmetechnisch verbessert werden, weil in Hessen die Putzfassade überwiegt. Das System eignet sich besonders für einschalige, verputzte Wände, aber auch zweischaliges Mauerwerk kann damit gedämmt werden. Nur bei strukturierten Fassaden (wie z. B. bei Jugendstilhäusern) oder Sichtfachwerk ist das WDVS ungeeignet.
 

Weiterführende Infomationen zum WDVS

Mediathek: Energiesparinformation 02 WDVS

 

2. Außenwanddämmung mit der hinterlüfteten Fassade

Vorhangfassaden gehören zu den traditionellen Bauweisen für Außenwände in Hessen. Als Wetterschutz wurden Gebäude früher häufig mit Holzschindeln, Schiefer oder auch Zinkblech verkleidet.

In den Nachkriegsjahren wurde die Vorhangfassade zunehmend beim Bau und der Sanierung von Mehrfamilienhäusern eingesetzt. Kleinformatige Fassadenplatten bieten hier einen wartungsarmen Witterungsschutz.




Die Wahl einer Vorhangfassade erfolgte in der Vergangenheit vor allem aus folgenden Gründen:
• Witterungsschutz
• Wahl einer repräsentativen Fassadengestaltung
• Baukostensenkung durch Elementevorfertigung z. B. bei der Erstellung von Fertighäusern

Der Wärmeschutz spielte damals in der Regel eine untergeordnete Rolle: Die Mehrzahl der vorgehängten hinterlüfteten Fassaden wurde ohne Dämmung ausgeführt. Gedämmte Vorhangfassaden, oftmals mit Dämmstoffstärken von nur 2 bis 4 cm, sind in den sechziger und siebziger Jahren angebracht worden.

Die geringen Kosten für die Dämmung stehen oftmals in krassem Gegensatz zu den hohen Ausgaben für den repräsentativen Vorhang. 20 bis 30 € für den Dämmstoff und seine Anbringung stehen dann Kosten für den Vorhang von 120 bis 400 € gegenüber. Selbst beim heutigen Neubau werden Vorhangfassaden immer noch mit zu geringen Dämmstärken (oft nur 8 cm) ausgeführt. Zukünftig kommt es darauf an, bei der Sanierung von Altbauten und beim Neubau von Wohngebäuden den Wärmeschutzstandard der Außenwände durch die Wahl optimaler Dämmschichtdicken zu verbessern.

Die hinterlüftete Vorhangfassade setzt sich aus vier Komponenten zusammen:
1. Dämmung,
2. Unterkonstruktion inkl. Befestigungsmittel
3. Hinterlüftung
4. Außenverkleidung (Vorhang).

Die Hinterlüftung der Vorhangfassade ist übrigens kein Vorteil dieses Systems gegenüber anderen Dämmsystemen. Die Hinterlüftung ist zwingend notwendig, um durch Plattenfugen eingedrungenes Regenwasser und von innen nach außen diffundierenden Wasserdampf abzuführen: Denn der Vorhang ist in der Regel mehr oder weniger dampfdicht und würde ohne Hinterlüftung durch Kondensat langsam zerstört.
 

Weiterführende Informationen zur Vorhangfassade

Mediathek: Energiesparinformation 10