Dachdämmung


Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Dächern, bei denen sich auch die Dämmmaßnahmen deutlich unterscheiden. In Hessen ist das Steildach der typische Dachaufbau. Die besonders in den 1970er und 1980er Jahren verbreiteten Flachdächer finden wir weniger vor.

Im Folgenden wird die Steildachmodernisierung vorgestellt.
 

 

Steildach
Bei der energetischen Modernisierung eines geneigten Daches sind zwei Fälle zu unterscheiden: Wird der Dachraum gar nicht oder nur als Abstellraum genutzt, kann die nachträgliche Dämmung der obersten Geschossdecke (Fußboden des Dachraumes) als kostengünstige Lösung gewählt werden. Wird der Dachraum allerdings bewohnt oder soll später zum Aufenthaltsraum ausgebaut und beheizt werden, müssen die Dachschräge und evtl. die Decke zum Spitzboden gedämmt werden. Im Folgenden finden Sie zur besseren Einschätzung Ihres Daches einige typische Dachkonstruktionen und die entsprechenden U-Werte. Die U-Werte beschreiben das Maß des Wärmedurchgangs. Je kleiner der Wert, desto weniger Wärme geht durch das Dach verloren.

 typische Steildachkostruktionen

Baujahr

Wert
 [W/(m²K)]
Steildach, ohne Dämmung, Holzschalung vor 1918 1,8

Steildach, ohne Dämmung, Putz auf Spalierlatten

vor 1948 2,6
Steildach mit Bimsvollsteine zwischen den Sparren, verputzt 1949-1957 1,4
Steildach mit Heraklithplatten unter den Sparren, verputzt 1919-1978 1,1
Steildach mit ca.  4 cm Dämmung zwischen den Sparren 1958-1968 0,9
Steildach mit ca.  8 cm Dämmung zwischen den Sparren 1969-1978 0,5
Steildach mit ca. 10 cm Dämmung zwischen den Sparren 1978-1983 0,4
Steildach mit ca. 14 cm Dämmung zwischen den Sparren 1984-1994 0,3
Steildach mit 20 cm cm Dämmung zwischen den Sparren und teilweise zusätzlich auf oder unter den Sparren heute 0,2

 

Dächer aus den 1950er und 1960er Jahren haben im Originalzustand einen U-Wert von rund 1,0 W/(m²K) und mehr. Im Vergleich mit modernen Dächern ist der Wärmeverlust dieser alten Dächer fünf mal so hoch.

Wenn Ihr Dach noch im Zustand von vor 20 Jahren ist, können Sie die Wärmeverluste durch zusätzliche Dämmung mindestens halbieren. Ist Ihr Dach wesentlich älter als 20 Jahre, ist eine Modernisierung dringend zu empfehlen.

Für die Dämmung des Steildachs (Satteldach, Pultdach, Walmdach) stehen grundsätzlich drei Möglichkeiten zur Verfügung, die auch kombiniert werden können. Vergessen Sie dabei nicht, auch die Abseiten, den Spitzboden, die Gauben und Trennwände zu kalten Dachräumen zu dämmen.

1. Zwischensparrendämmung
Das am häufigsten ausgeführte Dämmverfahren ist die Dämmung zwischen den Sparren. Das Dämmmaterial muss dabei überall dicht an den Sparren anliegen, um Luftumströmungen zu vermeiden. Die Dämmlage wird hierzu etwas breiter als der jeweilige Sparrenzwischenraum zugeschnitten. Mineralfasermatten sind hier besonders gut geeignet (Glas- und Steinwolle). Raumseitig ist eine dampfbremsende und luftdichte Ebene vorzusehen (z. B. feuchteadaptive Dampfbremse, verklebte OSB-Platten). Die vorhandene Sparrenhöhe reicht zumeist nicht aus, um die empfohlene Dämmstoffdicke von mindestens 20 cm umzusetzen. Hier hilft eine Aufdopplung der Sparren oder eine zusätzliche Dämmstofflage unterhalb der Sparren. Die letzte Variante reduziert auch die Wärmebrückenwirkung der Sparren. Bei der Zwischensparrendämmung kann bei einem luftdichten Ausbau (innen) auf eine Belüftungsebene zwischen Unterspannbahn und Dämmstoff verzichtet werden und die gesamte Sparrenhöhe mit Dämmstoff verfüllt werden (DIN 4108). Diese Sparrenvolldämmung ist auch in den Richtlinien der Dachdecker enthalten. Ist keine Unterspannbahn vorhanden und kann der Dämmstoff nur von innen eingebracht werden, muss geprüft werden, ob dies für einige Jahre geht, bis ein späterere Dachneueindeckung eine wasserführende Ebene auf den Sparren bringt (z. B. Unterspannbahn, diffusionsoffen). Diese schafft Sicherheit vor eindringenden Regen und Flugschnee.

2. Aufsparrendämmung
Liegt die Dämmung außen auf den Sparren, spricht man von einer Aufsparrendämmung. Sie kann bei bestehenden Gebäuden im Zuge einer Neueindeckung des Daches umgesetzt werden. Es gibt verschiedene typgeprüfte Systeme. 20 cm starke Dämmplatten sind bei den Herstellern im Angebot. Achten Sie bei diesem System auf den Schallschutz.  Auch die Aufsparrendämmung muss luftdicht ausgeführt werden. Hierzu hier ist eine raumseitige Folie o. ä. zu empfehlen, die gleichzeitig die Luftdichtigkeit sicherstellt. Schwierig ist bei der Aufsparrendämmung insbesondere der luftdichte Anschluss an die Außenwand. Hier müssen im Bereich der Sparrendurchdringung z. B. luftdichtende Manschetten eingesetzt werden. Ein Vorteil der Aufsparrendämmung ist, dass die Wärmebrücken durch die Sparren entfallen.

3. Untersparrendämmung
Bei sehr unterschiedlichen Sparrenprofilen und Abständen, z. B. im Fachwerkhaus, können Dämmschichten auch unter den Sparren angebracht werden. Eine Dampfbremse ist erforderlich, die gleichzeitig die Luftdichtigkeit herstellt. Bei dieser Dämmweise muss eine Verkleinerung des Dachraumes in Kauf genommen werden.

 

Die nebenstehende Abbildung zeigt eine Kombination aus Zwischensparren- und Aufsparrendämmung. Die Sparren wurden in diesem Fall aufgedoppelt, was aber auch entfallen kann, wenn die Aufsparrendämmung diese Dämmschichtdicke mit übernimmt. Die Dampfbremsfolie wurde von außen auf die Innenverkleidung und um die Sparren herum gerlegt. Diese Variante wird bei Neueindeckungen des Daches gewählt. Die Innenverkleidung der Dachräume bleiben dabei unversehrt.
 


Weitere Hinweise

  • Der Dämmstoff sollte der Wärmeleitfähigkeitsgruppe (WLG) 035 angehören. Dann dämmt er 13 Prozent besser als übliche Dämmstoffe, was bei knappen Höhen von Vorteil ist.
  • Der nachträgliche Dachausbau bedarf in der Regel keiner Baugenehmigung.
  • Die Tragfähigkeit der alten Dachkonstruktion sollte in Zweifelsfällen vom Fachmann/Architekten  geprüft werden.